VDFU: Minijobs

EINE INITIATIVE DER FREIZEITWIRTSCHAFT

Ist es wirklich ratsam, gerade jetzt 6,8 Millionen Menschen ihren Minijob wegzunehmen?

Natürlich würden nicht 6,8 Millionen Minijobs automatisch wegfallen. Ebenso wenig würden sie aber automatisch zu sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen. Eine Abschaffung der Minijobs zum jetzigen Zeitpunkt entsprechend der Empfehlung der Rentenkommission birgt enorme politische, soziale, wirtschaftliche und gesellschaftliche Risiken, die uns große Sorge bereiten.

Unsere SorgenJa zu ReformenWas auf dem Spiel stehtSprechen wir darüber

Vier Risiken, die uns Sorge bereiten

01

Politisches Risiko

„Die Regierung schafft 6,8 Millionen Jobs ab!“ – so oder so ähnlich könnte das Narrativ von Teilen der Opposition lauten, sollten die Minijobs entfallen. Ob dieser Vorwurf der Wahrheit entspricht, ist dabei zweitrangig. Die eigentliche Frage lautet: Gelingt es der Bundesregierung, solch einem Vorwurf klar, glaubwürdig und rechtzeitig zu entgegnen?
Die Ereignisse der letzten Wochen lassen daran zweifeln. Genau hier setzt die Sorge an, die unsere Ansichtskarte auf den Punkt bringt.

02

Soziales Risiko

Ob Studierende, Rentnerinnen und Rentner oder Aufstockerinnen und Aufstocker, die bereits einer anderen, sozialversicherungspflichtigen Haupttätigkeit nachgehen: Minijobs werden überwiegend von unteren Einkommensschichten ausgeübt – aus finanzieller Notwendigkeit. Reduziert sich durch den Wegfall der Sonderkonditionen von Minijobs die absolute Zahl der Beschäftigungsverhältnisse, trifft das gerade diese besonders vulnerable Bevölkerungsgruppe. Das ist unsozial.

03

Wirtschaftliches Risiko

Besonders hart würde ein Wegfall der Minijobs die Freizeitbranche treffen. Dort arbeiten Menschen für Menschen, und die Nachfrage konzentriert sich stark auf Wochenenden und Feiertage, währen die Einrichtungen unter der Woche oftmals Schließtage haben. Diese Arbeit lässt sich nicht auf andere Tage umverteilen. Abbildbar sind diese extremen Nachfragespitzen bislang nur mit Minijobs. Entfallen sie, muss das Angebot branchenweit reduziert werden und traditionsreiche Standorte werden gefährdet – mit direkten Folgen für die regionale Wertschöpfung, vor allem im ländlichen Raum.

04

Gesellschaftliches Risiko

Freizeitangebote dürfen in einem Sozialstaat kein Luxus sein, sondern sind integraler Bestandteil der Daseinsfürsorge . Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit, multipler internationaler Krisen und innenpolitischer Belastungsproben bieten sie Menschen aller Einkommensschichten Ablenkung, Ausgleich und Erholung – ein bedeutsamer Wert an sich. Und auch wenn Freizeiteinrichtungen nicht systemrelevant sein mögen: Ihr Fehlen würde eine Lücke hinterlassen. Eine Lücke, die im schlimmsten Fall mit „Familienfesten“ oder „Simson-Ausfahrten“ gefüllt würde.

Unsere Position

Ja zu Reformen – aber im Dialog

Die Freizeitwirtschaft steht grundsätzlichen Reformen zur Absicherung von Minijobs nicht entgegen. Im Gegenteil: Wir begrüßen die Überlegungen der Rentenkommission ausdrücklich als wichtigen Beitrag zu einer notwendigen Debatte. Für uns steht außer Frage, dass Mitarbeitende – ob in Voll-, Teilzeit- oder geringfügiger Beschäftigung – sozial abgesichert sein müssen. Reformen, die diesem Ziel dienen, unterstützen wir. Entscheidend ist aus unserer Sicht nicht das Ob, sondern das Wie.

Was auf dem Spiel steht

Sollten wir uns die Vielfalt der Freizeitangebote in Deutschland gerade jetzt leisten – oder gerade jetzt aufs Spiel setzen?

380 Mio.
Besucherinnen und Besucher jährlich – zumeist Familien
6.200
zumeist inhabergeführte Einrichtungen in Deutschland

Die Freizeitwirtschaft zählt zu den bevölkerungsnächsten Branchen überhaupt: Rund 380 Millionen Besucherinnen und Besucher zieht sie jährlich in mehr als 6.200 Einrichtungen – von Freizeit- und Themenparks über Zoos und Erlebnisbäder bis zu Seilbahnen, Bowlingcenter, Hochseilgärten, Escape Rooms und anderen Freizeit- und Erlebniseinrichtungen.

Für viele junge Menschen sind Freizeiteinrichtungen der erste Arbeitgeber überhaupt – hier sammeln sie erste Berufserfahrung und übernehmen erste Verantwortung. Zugleich bieten sie verlässliche Beschäftigung für Menschen mit geringer Qualifikation, die andernorts oft nur schwer Zugang zum Arbeitsmarkt finden. Viele Einrichtungen sind Traditionsunternehmen, tief verwurzelt in ihrer Region – familiengeführt, inhabergeführt, mittelständisch. Und sie sind Orte der Begegnung: für Familien und für viele andere Menschen. Sie sind es, die ein Wegfall der Minijobs am härtesten treffen würde.

Unsere Forderung

Die Freizeitwirtschaft mitdenken

Wir fordern, die Freizeitwirtschaft bei der Ausgestaltung dieser Reform von Anfang an mitzudenken. Nur im direkten Dialog mit der Branche lassen sich Lösungen entwickeln, die tragfähig sind – wegweisend für die Branche, für die Politik, vor allem aber für die Menschen.

Sprechen wir darüber

In einem virtuellen Branchendialog berichten Vertreterinnen und Vertreter aus Freizeiteinrichtungen aus der Unternehmenspraxis und zeigen die Folgen eines möglichen Wegfalls von Minijobs auf - für die Wirtschaft, die Regionen und ihre Menschen.

JETZT ANMELDEN 30.09. I 08:00–08:45 Uhr

Diese Initiative wird unterstützt von:

VDFUDeutsche TierparkGesellschaftDeutscher Wildgehege-VerbandBundesverband BowlingIAPALive Escape & Adventure Games Fachverband