01 Politisches Risiko
„Die Regierung schafft 6,8 Millionen Jobs ab!“ – so oder so ähnlich könnte das Narrativ von Teilen der Opposition lauten, sollten die Minijobs entfallen. Ob dieser Vorwurf der Wahrheit entspricht, ist dabei zweitrangig. Die eigentliche Frage lautet: Gelingt es der Bundesregierung, solch einem Vorwurf klar, glaubwürdig und rechtzeitig zu entgegnen?
Die Ereignisse der letzten Wochen lassen daran zweifeln. Genau hier setzt die Sorge an, die unsere Ansichtskarte auf den Punkt bringt.
02 Soziales Risiko
Ob Studierende, Rentnerinnen und Rentner oder Aufstockerinnen und Aufstocker, die bereits einer anderen, sozialversicherungspflichtigen Haupttätigkeit nachgehen: Minijobs werden überwiegend von unteren Einkommensschichten ausgeübt – aus finanzieller Notwendigkeit. Reduziert sich durch den Wegfall der Sonderkonditionen von Minijobs die absolute Zahl der Beschäftigungsverhältnisse, trifft das gerade diese besonders vulnerable Bevölkerungsgruppe. Das ist unsozial.
03 Wirtschaftliches Risiko
Besonders hart würde ein Wegfall der Minijobs die Freizeitbranche treffen. Dort arbeiten Menschen für Menschen, und die Nachfrage konzentriert sich stark auf Wochenenden und Feiertage, währen die Einrichtungen unter der Woche oftmals Schließtage haben. Diese Arbeit lässt sich nicht auf andere Tage umverteilen. Abbildbar sind diese extremen Nachfragespitzen bislang nur mit Minijobs. Entfallen sie, muss das Angebot branchenweit reduziert werden und traditionsreiche Standorte werden gefährdet – mit direkten Folgen für die regionale Wertschöpfung, vor allem im ländlichen Raum.
04 Gesellschaftliches Risiko
Freizeitangebote dürfen in einem Sozialstaat kein Luxus sein, sondern sind integraler Bestandteil der Daseinsfürsorge . Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit, multipler internationaler Krisen und innenpolitischer Belastungsproben bieten sie Menschen aller Einkommensschichten Ablenkung, Ausgleich und Erholung – ein bedeutsamer Wert an sich. Und auch wenn Freizeiteinrichtungen nicht systemrelevant sein mögen: Ihr Fehlen würde eine Lücke hinterlassen. Eine Lücke, die im schlimmsten Fall mit „Familienfesten“ oder „Simson-Ausfahrten“ gefüllt würde.